Sternsingergottesdienst und Neujahrsempfang der Münstergemeinde St. Stephan Breisach

am 6. Januar 2026

Breisach. Mit einem feierlichen Sternsingergottesdienst im Breisacher Münster und dem direkt anschließenden Neujahrsempfang im Hotel Stadt Breisach ist die Münstergemeinde am Dreikönigstag gemeinsam ins Jahr 2026 gestartet.

Inhaltlich spannte sich der Bogen von weltweiter Gerechtigkeit und Kinderrechten über die aktuellen Veränderungen in der kirchlichen Struktur bis hin zu sehr konkretem Dank an Menschen, die seit vielen Jahren Verantwortung vor Ort tragen.
Sternsingergottesdienst: „Schule statt Fabrik“
Bereits im Gottesdienst wurde der Ton gesetzt: Die diesjährige Sternsingeraktion steht unter dem Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“. In der Einführung wurde betont, dass Kinder weltweit besonders unter Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Armut und fehlenden Chancen leiden – und dass es deshalb gut und wichtig sei, beim Sternsingen gerade auf die Situation von Kindern zu schauen.
Das Dreikönigsfest bot dafür einen symbolisch starken Rahmen: Auch im Evangelium stehen Menschen in Bewegung – die Weisen, „für die dieses Kind am anderen Ende der Welt“ war, folgen dem Stern, überwinden Hindernisse und kommen an der Krippe an. Die Botschaft: Kein Weg ist zu weit, wenn es um das Leben und die Würde von Menschen geht – und erst recht nicht, wenn Kinder betroffen sind.
 
Eindringlich unterstrich dies die Lesung aus Jesaja 58,1–10: Es genügt nicht, Glauben zu behaupten, während Menschen ausgebeutet werden. Gefragt ist eine Haltung, die Unrecht beim Namen nennt und dagegen aufsteht – Unterdrückte befreit, vor Ausbeutung schützt, teilt, hilft und füreinander da ist. Wer so handelt, bringt „Licht“ in die Welt – genau dieses Licht sei heute nötig.
Sternsinger sind „Weltfairänderer“
Ein anschauliches Zeichen setzte das Anspiel der Sternsinger: Mit Plakaten und ihrem Stern zogen die Kinder und Jugendlichen durch das Münster. Der Stern wurde zum sichtbaren Symbol: Gott ist bei uns – er bringt Licht und Hoffnung. Deutlich wurde dabei: Sternsinger sind mehr als Boten einer Tradition. Sie bringen den Segen zu den Menschen und sammeln Spenden für Kinder in Not – und sie verstehen sich zugleich als „Weltfairänderer“, die Missstände benennen und sich für eine gerechtere Zukunft einsetzen.
Auf den Plakaten und in ihren Worten wurden zentrale Anliegen sichtbar: Frieden, Umweltschutz, Gleichberechtigung und Respekt, Sicherheit sowie eine nachhaltige Politik. Unter dem Leitgedanken „Sternsinger for Future“ machte das Anspiel deutlich, dass unsere gemeinsame Zukunft davon abhängt, ob wir füreinander einstehen und bereit sind zu teilen, was wir haben. Die Szene hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und lud die Gemeinde ein, über Verantwortung, Solidarität und Hoffnung nachzudenken.
 
 
Empfang im Hotel Stadt Breisach
Unmittelbar nach dem Gottesdienst ging es zum Empfang ins Hotel Stadt Breisach. Dort stellte Martin Hau als Sprecher des Gemeinteam Breisach seine Ansprache unter ein prägnantes Motto, das – wie er betonte – nicht bequem klinge, aber gut in diese Zeit passe:
„Die Glocke schlägt Alarm, die Kirche brennt – brennen auch wir für die Kirche?“
Hau knüpfte an die Symbolik der Glocke an: Eine Glocke sei nicht Dekoration, sondern Stimme – sie rufe, mahne, wecke auf. Der Neujahrsempfang selbst sei mehr als ein geselliges Beisammensein: eine Art „Gemeindeversammlung“, ein Ort, an dem man sich als Münstergemeinde orientiert, miteinander ins Gespräch kommt und das Gemeindeleben bewusst gestaltet.
Im Rückblick auf 2025 würdigte Hau besonders das, was vielerorts selbstverständlich erscheint und doch von Menschen lebt, die Verantwortung übernehmen: Dienste in der Liturgie, praktische Aufgaben, kulturelle Beiträge und das ökumenische Miteinander. Gerade die Ökumene sei in Breisach nicht bloß ein Wort – „wir reden nicht nur über Einheit, wir suchen sie im Tun“. Dazu passe auch der angekündigte ökumenische Akzent zu Jahresbeginn.
 
Neue Rollen im Pastoralteam
Ein wichtiger Punkt am Empfang war das veränderte Rollenverständnis im Pastoralteam. Kooperator Bruno Hünerfeld beschrieb Kernaussagen zur neuen Ausrichtung – und was diese Veränderungen auch für ihn persönlich in der entstehenden Großpfarrei bedeuten. Dabei ging es vor allem um Präsenz und Ansprechbarkeit am Kirchort: nahe bei den Menschen, sichtbar, erreichbar.
In den Worten, die an diesem Vormittag mehrfach anklingen sollten, wurde deutlich: In der neuen Struktur braucht es beides – Verantwortung für den großen Rahmen und zugleich Kirchorte, die nicht untergehen, sondern profilierter und lebendiger werden.
Blick nach vorn: Kirchortteam, Rolle Breisachs – und Entscheidungen zu Raum und Licht
In seinem Ausblick benannte Hau konkrete Aufgaben für 2026. Im Zentrum stand das Kirchortteam: Es solle kein „Gremium mehr“ sein, sondern ein Weg, vor Ort aktiv zu gestalten statt abzuwarten. Erste entscheidende Schritte seien dazu bereits im Gemeindeteam vorbereitet.
Zugleich machte Hau einen Punkt stark, der vielen in Breisach unter den Nägeln brennt: Die Rolle Breisachs in der künftigen Großpfarrei muss geklärt werden. Dabei gehe es nicht um Besitzstandswahrung, sondern um Verantwortung – für die Menschen vor Ort, für das Münster als geistlichen Ort und für die sichtbare Präsenz von Kirche in der Stadt.
Als weiteres großes Thema nannte er „Raum und Licht im Münster“. Dahinter steckten nicht nur technische Fragen, sondern Grundentscheidungen: Wie wird das Münster künftig erlebt? Wie gelingt gastfreundliche Offenheit, liturgische Würde und kulturelle Nutzung – und wie trifft man Entscheidungen gemeinsam und transparent?
 
Stadt und Kirche: „Dafür sind wir da“
Bürgermeister Oliver Rein griff die Herausforderungen des neuen Jahres auf und warb zugleich für Zuversicht und ein konstruktives Miteinander. Wichtig sei eine positive Haltung, die Schwierigkeiten nicht kleinredet, aber handlungsfähig bleibt. Rein hob die gute Zusammenarbeit mit Kirche und Engagierten hervor und betonte den gemeinsamen Auftrag für die Menschen in Breisach.
Ökumene und klare Haltung: Für die Menschen – gegen Extremismus
Britta Hannemann nahm die Stimmungslage zu Beginn des Jahres auf: Schon am 6. Januar gebe es viele bedenkliche Nachrichten. Umso mehr komme Christinnen und Christen eine besondere Aufgabe zu – nicht Rückzug, sondern Dienst am Menschen, Orientierung und Hoffnung.
Gemeinsam mit Bürgermeister Rein setzte Hannemann zugleich ein deutliches Zeichen gegen rechts- und linksextreme Tendenzen. In der Mitte ist der Weg – als Haltung, die auf Dialog, Respekt und Zusammenhalt setzt.
Dank an die Pfarrgemeinderäte
Ein Höhepunkt des Empfangs war der Dank von Uschi Wochner an die Pfarrgemeinderäte aus Breisach. Sie würdigte ausdrücklich Menschen, die über Jahre verlässlich Verantwortung getragen haben: Normen Schatz für 5 Jahre, Sonja Korte für 15 Jahre, sowie ein besonderer Dank an Martin Hau für 25 Jahre Engagement, davon 20 Jahre als Vorsitzender.
Der Dank war nicht nur Rückblick, sondern auch Botschaft: Ohne Menschen, die Verantwortung übernehmen, gibt es keine lebendige Gemeinde – und vieles werde oft erst sichtbar, wenn es plötzlich fehlt.
Gemeinsamer Segen zum Abschluss
Zum Ende des Empfangs stand ein ökumenisches Zeichen: Britta Hannemann und Bruno Hünerfeld spendeten gemeinsam den Segen für das neue Jahr. Es war ein passender Schlusspunkt eines Vormittags, an dem die Münstergemeinde Breisach deutlich machte, was sie 2026 tragen soll: der Sternsingerauftrag für Gerechtigkeit, ein wacher Blick auf die Gegenwart – und der Wille, Kirche und Stadtgesellschaft gemeinsam zu gestalten.